Abschied nehmen

Ich hab gesagt, ich ginge nur schnell rüber, ein paar Dinge aus dem alten Haus holen. Alt ist es wirklich. Und so voller Erinnerungen. Ich drehe den alten, rostigen Schlüssel herum und betrete das Haus, in dem ich aufgewachsen bin und in dem meine Oma noch bis vor kurzem wohnte, bis sie von uns gegangen ist. Es ist still und leer. Ein seltsamer Geruch steigt mir in die Nase. Es ist der Geruch von Einsamkeit, denn zum ersten mal in meinem Leben bin ich ganz allein in diesem Haus. Um Abschied zu nehmen. Ich betrete das alte Esszimmer, den Ort, an dem ich meine Oma das letzte mal lebend gesehen und ihre Hand gehalten habe. Es macht mich traurig, jetzt ohne sie hier zu sein.

Ich entdecke alte Fotos aus Zeiten, in denen ich noch nicht einmal geboren war. Zeiten, in denen ich nicht einmal für meine Eltern als Idee existiert habe. Ich nehme ein Bild meiner Oma. Sie war eine wirklich schöne Frau. Ich lege das Bild zurück an seinen Platz und mache mich auf den Weg nach oben, um noch einmal mein altes Zimmer zu betreten. Rechts an der Wand steht noch das alte Doppelbett und direkt darüber hängen meine Medaillen. Ich weiß nicht mehr, wann ich welche gewonnen habe, aber ich erinnere mich daran, wie stolz meine Oma und mein Opa waren, wenn ich vom Wettkampf mit einer Medaille wieder heim kam.

Im Schrank entdecke ich einige meiner alten Spielzeuge, mein erstes, ferngesteuertes Auto. Ich muss 9 oder 10 gewesen sein, als ich es zu Weihnachten bekommen habe.

Lange bleibe ich im Zimmer stehen und schaue mir all diese Dinge an, die mir damals so viel Freude bereitet haben. Schließlich nehme ich einige Dinge, die ich mit in die neue Wohnung nehmen möchte und gehe die knarrende, alte Treppe mit dem grünen Teppich wieder runter. Ich stehe im Flur und atme tief ein, um den Geruch der Erinnerung, die alten Zeiten, alles, was meine Kindheit war in mich aufzusaugen und nie wieder los zu lassen. Dann schalte ich ein allerletztes mal das Licht aus und schließe die Tür ab. Dann lege ich meine Hand an die alte Wand und sage leise "Leb wohl."

21.1.08 19:08

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