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Mitternachts-Melancholie

Nun sitze ich hier zu so einer späten Stunde und grübele vor mich hin, als wäre ich ein alter Mann, der auf sein Leben zurück blickt.

Die Freude über das Musical hält immer noch an, aber sie mischt sich mit der Trauer und der Einsamkeit. Ich weiß nicht einmal genau, worüber ich traurig bin, denn der Urlaub war der Schönste seit langem. Eben noch habe ich mit einigen Online-Bekanntschaften geschrieben und gelacht und nun kämpfe ich mit den Tränen. Und ich beschließe, ein wenig Musik zu hören. Musik von Menschen, die so unglaublich viel geleistet haben und leider viel zu früh von uns gegangen sind. Falco, Janis Joplin, Freddy Mercury, Rio Reiser... Einfach so unendlich viele Menschen, die Leuten wie mir Kraft geben und ein wenig Hoffnung schenken. Und während ich hier sitze und eine Träne weg wische läuft "Mr. Bojangles" vom großartigen Sammy Davis Jr.

Und obwohl das Lied mich traurig stimmt, wird mir dabei eines wieder klar....

Es ist die Musik, die dich wach hält, wenn du des Lebens müde bist...

8.3.08 00:50, kommentieren

Herz vergeben, Herz verschenkt...

Susi, ich habe dir mein Herz gegeben. Es fehlt ein Stück in mir. Nur du allein besitzt die Macht, seinen Schmerz zu lindern.

"Es gibt keine Hoffnung", sagt mir mein Verstand. Meine Kraft, mein Glaube und meine Liebe hätten dich begleitet, bis in die tiefsten Abgründe der Hölle, bis zum anderen Ende der Welt. Und ich wäre dir gefolgt, zu jedwedem Ende, selbst bis in den Tod.

Es gibt Momente, da wünscht´ ich, meine Augen hätten deine nie gesehen, denn dann könnt´ ich einfach so an dir vorüber gehen.

Und jetzt versuch ich zu begreifen, was ich nie verstand. Warum zwei Menschen, die sich einst so nah waren, so tun als hätten sie sich nie gekannt.

11.3.08 15:45, kommentieren

Wenn Zeit eine andere Bedeutung bekommt...

Wenn ein Freund vor dir steht und lächelt, obwohl der Kampf gegen den Krebs scheinbar hoffnungslos scheint, dann erleben wir eines von Gottes wahren Wundern.

4 Wochen noch, sagtest du mir heute, dann kommt die Stunde der Wahrheit. In wenigen Augenblicken entscheidet sich, ob all das Hoffen, Bangen und Beten, ob all die Operationen und die Therapien vergebens waren. Bitterkeit kommt über mich, wenn ich daran denke, dich zu verlieren. Aber du steckst so voll Energie und Freude, das ich mich nicht traue, Schwächen zu zeigen.

Und als du mir sagtest, das wir uns bald wiedersehen und ich die Kraft in deinem Händedruck spürte, war ich stolz wie nie zuvor, dich meinen Freund nennen zu dürfen.

Möge dich das Glück, die Liebe und die Hoffnung aller Menschen, die dich lieben, auf deinem weiteren Weg begleiten.

1 Kommentar 11.3.08 15:52, kommentieren

Die Welt verstehen?

Um mich herum ist alles voller Welt. Will ich die Welt verstehen? Manchmal möchte ich sie mir nicht einmal ansehen. Im Kiosk auf der Arbeit werfe ich einen flüchtigen Blick auf die Titelseite einer großen, deutschen Tageszeitung. Die mit den 4 Buchstaben. Ich bin jetzt schon genervt... Seite 1: Eine attraktive, junge, halbnackte Dame. Genau das nervt mich. Halbnackt. Ich will keine halbnackte, auch keine ganznackte. Es ist mir egal, das Lucy die Haare schön hat, oder Evelyn einen Mechaniker als Mann will, der ihr den Motor schmiert. Wer denkt sich eigentlich diese beschissenen Texte aus?

Was noch? Irgendwer hat irgendwen umgebracht. Naja, passiert ja irgendwie jeden Tag, aber es juckt mich nicht mehr wirklich. Normal ist das nicht, oder?

Oh, noch besser. Irgendwo in Grönland ist ein Klumpen Eis in sich zusammen gefallen. Jetzt höre ich die Klimaforscher wieder schreien. Erderwärmung! Wir müssen handeln, jetzt, sofort, für unsere Kinder. Unseren Staatsdienern in Berlin wird das sicherlich reichen, um wieder irgendeine Steuer anzuheben. Natürlich nur, um unseren Planeten zu retten. Ich freue mich jetzt schon. Mir wird ja jeden Tag gesagt, das ich den Planeten retten kann, wenn ich meinen Knopf am Fernseher ausmache und mir überall in der Wohnung hässliche Energiesparlampen in die Decke drehe. Währenddessen werden weltweit jeden Tag Atomwaffen produziert und getestet. Aber ich soll den Planeten retten, ist klar. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich schon da stehen. Vor mir eine glänzende Atombombe und ich mit meiner Energiesparlampe in der Hand und dem guten Gefühl, den Knopf am Fernseher ausgemacht zu haben. Ich und mein Fernsehknopf gegen die Atombombe. Was für eine Macht ich scheinbar habe.

Wäre es nicht weitaus effektiver, wenn Mr. Klimaschutz himself, Al Gore, zu seinen scheiß Vorlesungen nicht im Privatjet durch die Welt düsen würde, sondern im Linienflug? Oder nimm doch mal die Bahn, du Erdmann. Oder noch besser, bleib zu Hause und schreib eine Kolumne für die FAZ, oder was weiß ich.

Und wie wäre es, wenn Mrs. Angie Merkel zum Antrittsbesuch nicht dauernd nach Timbuktu oder sonst wo hin fliegen würde, nur um die Hand von einem zu schütteln, der Präsident oder sowas geworden ist? Geht auch per Telefon: Wählen-tut tut-Glückwunsch, Mr President-Auflegen-Erledigt. Aber ich und mein Knopf, wir retten die Welt, ist klar.

So, raus, weg von der Zeitung. Weg von diesen Nachrichten. Raus... Nach Hause. Zu Hause? Ja, schön hier. Aufräumen und putzen müsste ich. Aber schön ist es trotzdem. Tolles Licht habe ich. Keine Energiesparlampen. Tolles, klimaschädigendes Licht. So, Pause. Kaffe kochen, Kaffee trinken, entspannen. Und jetzt? Langeweile.

Den Fernseher an? Never. Was bringt es? Kabel 1 und VOX wollen mir zeigen, wie toll es ist, in ein Land auszuwandern, von dem ich keine Ahnung habe und nicht einmal die einheimische Sprache spreche. Versagen kann ich auch in Deutschland, spare ich mir den Jetlag. Flieg ohne mich, Famlie Durchschnitt. Und wie Tine Wittler und ihr Heimwerker-Quartett die Küche von Familie XYZ auf Vordermann bringen, interessiert mich ja noch weniger. RTL 2 will mir erzählen, das es total toll ist, sich 24 Stunden am Tag irgendwelche Leute rein zu ziehen, die in einem verkabelten und verwanzten TV-Bunker fest sitzen und sinnloses Zeug vor sich hin brabbeln. Hin und wieder wird mal gefickt, aber davon hab ich auch herzlich wenig. Mich interessiert ja nicht einmal, was mein Nachbar von nebenan treibt, warum sollte mich das bei diesen Leuten jucken?

RTL geht ja noch einen Schritt weiter. Die sagen mir jetzt schon, wer morgen mein musikalischer Superstar ist. Vielen Dank dafür. Das einzig Gute an diesen talentfreien Medienhuren ist, das sie Übermorgen schon wieder weg sind und nur noch Autohäuser und Baumärkte eröffnen. Deswegen gehe ich am Eröffnungstag nie in einen Baumarkt.

Programmplatz 34. UErotiv-TV oder so ein Kram. Irgendein Ost-Europäer blubbert irgendeinen schwerverständlichen Stuss in ein Toysworld-Mikro, während sich geschätzte 6 bis 10 mehr oder weniger attraktive Damen in Klamotten auf der Couch räkeln, die Anfang der 80er Jahre gewagt waren. Ich vermute, das es seine Schwestern und Tanten sind. Was man für 35€ die Woche und ein 6-Monats-Visum nicht alles macht. Kann der Typ mal die Fresse halten? Die Musik ist nämlich nicht schlecht. Ach, scheiß drauf. Aus den Fernseher. Aber der Knopf bleibt an. Ich brauche ihn für den bevorstehenden Atomkrieg. Mit ihm werde ich den Kampf gegen den nuklearen Donnerschlag gewinnen. Mein Knopf und ich ziehen in den Krieg.

Was jetzt? Eine Zigarette rauchen. Und noch eine. Dazu eine Flasche Bier. Noch eine Zigarette. Und noch ein Bier. PC an, online gehen, 4, 5 oder 6 Fenster auf. Die Messenger an. Eine Zigarette. Noch eine. Ich rauche zu viel. Da kommt die Frage. Was ist mit S.? Gibt es was neues wegen S.? Es gibt immer neues wegen ihr. Jeden Tag. Jeden Morgen, jeden Abend, jede Nacht. Sie ist da. In meinem Kopf. Allgegenwärtig. S? Verschwinde aus meinem Kopf. Geh, verschwinde, lass mich allein.

Nein, gehe nicht. Bleib bei mir. Gehe nicht. Bleib allgegenwärtig. Bleib in meinem Kopf.

Ja, sie hat gesagt, das sie mich sehen will. Wann? Ich habe keine Ahnung, wann. Es wird nicht passieren. Woher ich das weiß? Ich weiß es, weil sie in meinem Kopf ist. Sie gehört dahin. Nur da habe ich sie, sonst nirgendwo. Ich werde sie nicht sehen. Es ist eine zu lange Zeit bis zu dem Tag, an dem sie mich sehen will. Es wird nicht passieren.

Ich brauche eine Zigarette. Keine Pause, nur eine Zigarette. Nein, sie bleibt in meinem Kopf, egal, wie viel ich noch rauche.

Gleich werde ich ins Bett. Der Fernseher? Der bleibt aus. Nur der Knopf bleibt an. Er ist mein Atomschutzbunker. Ich werde lesen. Ja, lesen. Ein Buch. Bis zum Schluss. Ich verstehe das Buch nicht. Ich verstehe mich ja selbst nicht. Wenn ich mich selbst nicht verstehe, die Frau in meinem Kopf nicht verstehe, wie soll ich die Welt verstehen?

Versteht mich irgendwer? 

2 Kommentare 27.3.08 21:28, kommentieren